KI-KOMPETENZ · ARTIKEL 4

KI-Kompetenz im Agenturteam: sinnvoll aufbauen und dokumentieren.

Ein Zertifikat allein macht ein Team nicht handlungsfähig. Entscheidend sind Kenntnisse, die zu den tatsächlich genutzten Systemen, Rollen, Daten und Risiken passen – plus ein nachvollziehbarer Auffrischungsprozess.

Guardrail60 RedaktionAktualisiert: 24.07.20267 Min. Lesezeit

Rechtsstand am 24.07.2026

Der ursprüngliche Artikel 4 der EU-KI-Verordnung gilt seit dem 2. Februar 2025. Er verlangt Maßnahmen für ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz und stellt dabei auf Wissen, Erfahrung, Ausbildung, Einsatzkontext und betroffene Personen ab.

Am 29. Juni 2026 gab der Rat dem Digital Omnibus endgültig grünes Licht. Der angenommene Text ersetzt Artikel 4 und formuliert künftig Maßnahmen zur Unterstützung der Entwicklung von KI-Kompetenz. Zum Redaktionsstand war die angekündigte Veröffentlichung im Amtsblatt noch nicht eindeutig als neue ELI-Fundstelle auffindbar. Bis Veröffentlichung und Inkrafttreten müssen deshalb alter Wortlaut, final angenommene Änderung und praktische Vorbereitung sauber auseinandergehalten werden.

Der robuste praktische Nenner

Agenturen sollten ihre tatsächlichen KI-Einsätze kennen, rollenbezogene Orientierung anbieten, klare Regeln bereitstellen, Lern- und Leitmaßnahmen dokumentieren und diese bei neuen Tools oder Risiken aktualisieren. Das ist unabhängig vom Wortlautwechsel eine sinnvolle Betriebs- und Qualitätsmaßnahme.

Was ist praktisch zu tun?

Die EU-Kommission beschreibt in ihrer bestehenden Artikel-4-Q&A einen flexiblen, risiko- und kontextbezogenen Ansatz. Eine bestimmte Kursdauer, ein einheitliches Format oder eine spezielle Governance-Struktur wird dort nicht vorgegeben. Auch die Bundesnetzagentur betont, dass interne und externe Maßnahmen möglich sind, keine standardisierte Schulung vorgeschrieben ist und getroffene Maßnahmen dokumentiert werden sollten.

  • Die Organisation kennt ihre Rolle und die eingesetzten Systeme.
  • Teams verstehen Chancen, Grenzen und konkrete Risiken ihrer Aufgaben.
  • Regeln und Lerninhalte unterscheiden nach Rolle und Einsatzkontext.
  • Maßnahmen werden intern nachvollziehbar festgehalten.
  • Neue Tools, Funktionen, Vorfälle und Regeln lösen eine Aktualisierung aus.

Ein bestimmtes Zertifikat ist laut der Kommissions-Q&A nicht erforderlich. Interne Aufzeichnungen über Trainings oder andere Leitmaßnahmen können genügen. Das heißt nicht, dass jede kurze Unterweisung automatisch für jeden Einsatz ausreichend ist.

Sieben Lernbausteine für kleine Agenturen

01

Was KI kann – und was nicht

Grundprinzipien, probabilistische Ausgaben, Halluzinationen, Verzerrungen und der Unterschied zwischen überzeugender Form und fachlicher Richtigkeit.

02

Welche Systeme tatsächlich genutzt werden

Freigegebene Tools, Kontotypen, Funktionen und die konkreten Anwendungsfälle im eigenen Team – nicht nur allgemeine Technologiebegriffe.

03

Daten, Geheimnisse und Zugänge

Welche Informationen eingegeben werden dürfen, wann eine Freigabe nötig ist und warum Passwörter, Schlüssel und besonders sensible Inhalte grundsätzlich nicht in Prompts gehören.

04

Prüfung und menschliche Verantwortung

Fakten, Zahlen, Markenstimme, Diskriminierungsrisiken, Quellen und Rechte anhand klarer Prüfschritte kontrollieren. Die verantwortliche Person muss ändern oder stoppen dürfen.

05

Kundenarbeit und Transparenz

Vertragliche Vorgaben, Offenlegung, Kennzeichnung und redaktionelle Kontrolle unterscheiden. Aktuelle Beispiele liefert unser Leitfaden zu Artikel 50.

06

Urheber- und Persönlichkeitsrechte

Rechte an Eingaben, Ähnlichkeiten im Output, Einwilligungen, Lizenzen und die Grenzen pauschaler Anbieterzusagen berücksichtigen.

07

Stoppen, melden und lernen

Bei versehentlichen Uploads, schädlichen Ausgaben oder Beschwerden nicht improvisieren: Nutzung stoppen, zuständige Rolle informieren, Sachverhalt sichern und Folgemaßnahme dokumentieren.

Rollenbezogen statt Einheitskurs

Ein kleines Team braucht nicht zwingend eine aufwendige Schulungsplattform. Es braucht aber unterschiedliche Lernschwerpunkte für unterschiedliche Entscheidungen.

RolleWichtigster LernfokusTypische Entscheidung
Geschäftsführung / OperationsVerantwortung, Freigaben, Verträge, EskalationWelche Systeme und Zwecke werden zugelassen?
Kreation / ContentDaten, Rechte, Fakten, KennzeichnungDarf dieses Material in diesen Workflow?
Account / BeratungKundenanforderungen, Transparenz, NachweiseWas wurde zugesagt und wie wird es belegt?
Technik / AutomationDatenfluss, Schnittstellen, Konten, ÜberwachungWas ändert sich durch Integration oder neue Funktion?
Freie Mitarbeitendezulässige Tools, Daten und MeldewegWelche Agenturregeln gelten für den Auftrag?

Welche Dokumentation ist sinnvoll?

Dokumentation sollte zeigen, was die Organisation tatsächlich getan hat, ohne unnötige personenbezogene Daten zu sammeln. Für einen einfachen internen Nachweis eignen sich:

  • Titel, Datum und verantwortliche Person der Maßnahme
  • Zielgruppe beziehungsweise Rollen
  • behandelte Systeme, Zwecke und Risiken
  • Lernziele und verwendete Materialien
  • Format und Dauer
  • Teilnahme oder andere nachvollziehbare Durchführung
  • offene Fragen und beschlossene Folgemaßnahmen
  • Auslöser oder Termin für die nächste Auffrischung

Ein Wissenstest kann helfen, Verständnislücken sichtbar zu machen. Er ist aber kein amtliches Zertifikat und ersetzt nicht die Beobachtung, ob Regeln im Arbeitsalltag angewendet werden.

Ein realistischer 35-Minuten-Teamstart

ZeitBausteinZiel
0–8 Min.Systeme, Chancen und typische FehlerGemeinsames Grundverständnis
8–18 Min.Datenampel und reale AgenturfälleErlaubt, prüfen oder stoppen unterscheiden
18–27 Min.Qualität, Rechte und TransparenzPrüfschritte und Verantwortung kennen
27–35 Min.Quiz, Fragen und MeldewegVerständnis prüfen und nächste Schritte sichern
Primärquellen und Änderungsstand

Vergleichen Sie die KI-Kompetenz-Q&A der EU-Kommission, die Hinweise der Bundesnetzagentur, den geltenden Verordnungstext und den final angenommenen Änderungstext PE-CONS 30/26. Die Fundstelle und das Inkrafttreten des Änderungsrechtsakts müssen beim Lesen erneut geprüft werden.

TEAMSTART OHNE SCHULUNGSPLATTFORM

Training, Quiz und Nachweisregister sind bereits verbunden.

Guardrail60 enthält ein 35-Minuten-Microlearning, zehn Wissensfragen und dokumentierbare Lernmaßnahmen – ohne Zertifikats- oder Rechtsgarantie.

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